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In der Krise müssen Wirtschaft und Verbraucher wieder Vertrauen fassen

In der Krise müssen Wirtschaft und Verbraucher wieder Vertrauen fassen
In der Krise müssen Wirtschaft und Verbraucher wieder Vertrauen fassen (Bild: OECD)

2020-09-16 10:20:06
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Quelle: OECD

(Paris/Berlin, 16. September 2020) – Die COVID-19-Pandemie bedroht weiterhin Arbeitsplätze, Unternehmen sowie die Gesundheit und das Wohlergehen von Millionen von Menschen, wie die OECD schildert.

Der Aufbau von Vertrauen werde deshalb von entscheidender Bedeutung sein, um sicherzustellen, dass sich die Volkswirtschaften erholen und anpassen. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Zwischenbericht zum OECD-Wirtschaftsausblick, der am Mittwoch in Paris vorgestellt wurde.Nach dem historischen Wirtschaftseinbruch der ersten Jahreshälfte konnte die Wirtschaftsleistung mit den ersten Lockerungen und der Wiedereröffnung vieler Unternehmen zügig an Fahrt aufnehmen.

In jüngster Zeit aber habe das Tempo der Erholung wieder etwas nachgelassen, so der OECD Interim Economic Outlook. Die Beschränkungen, die einige Länder ihrer Wirtschaft derzeit im Kampf gegen neue Infektionswellen auferlegen, dürften der Studie zufolge das Wachstum erneut bremsen.Die Unsicherheit sei nach wie vor groß, und die Dynamik des Aufschwungs variiert deutlich zwischen Ländern und einzelnen Wirtschaftssektoren.

Ob ein inklusives, resilientes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreicht werden kann, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, darunter der Wahrscheinlichkeit neuer Infektionsherde, der Frage, wie gut Einzelne die Gesundheitsmaßnahmen und -beschränkungen einhalten, dem Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen und dem Ausmaß, in dem die staatliche Unterstützung zur Erhaltung von Arbeitsplätzen und zur Unterstützung der Unternehmen bei der Ankurbelung der Nachfrage erfolgreich ist.Der Interim Economic Outlook geht davon aus, dass die globale Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 4,5 Prozent schrumpft, bevor sie 2021 wieder um fünf Prozent wachsen wird. Diese Prognose sei optimistischer als der OECD-Wirtschaftsausblick vom Juni, was in erster Linie an den Zahlen für China und die Vereinigten Staaten liegt, die in der ersten Jahreshälfte besser ausfielen als erwartet.

Für Deutschland werde für dieses Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,4 Prozent und 2021 mit einem Wachstum von 4,6 Prozent gerechnet. Insgesamt sei davon auszugehen, dass die Produktion in vielen Ländern der Welt auch noch Ende nächsten Jahres unter dem Niveau von Ende 2019 liegen werde und deutlich unter dem Niveau, das vor Beginn der Pandemie erwartet worden war.

 Sollte die Bedrohung durch das Virus schneller nachlassen als erwartet, könnte ein gesteigertes Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern die Wirtschaftsaktivität in 2021 deutlich ankurbelt. Neue Infektionswellen oder strengere Sicherheitsvorkehrungen könnten das Wachstum 2021 hingegen um zwei bis drei Prozentpunkte dämpfen.

Eine Folge wären noch höhere Arbeitslosigkeit und ein längerfristig schwaches Investitionsklima."Wir durchleben eine akute Gesundheitskrise und den dramatischsten Wirtschaftsabschwung seit dem Zweiten Weltkrieg. Ein Ende sei noch nicht in Sicht, aber die Politik könne viel tun, um jetzt Vertrauen zu schaffen", sagte OECD-Chefökonomin Laurence Boone bei der Vorstellung der Studie."Es sei wichtig, dass die Regierungen den Fehler vermeiden, die Finanzpolitik zu schnell zu straffen, wie es nach der letzten Finanzkrise geschehen ist.

Ohne fortgesetzte Unterstützung könnten Konkurse und Arbeitslosigkeit schneller als nötig ansteigen und die Lebensgrundlagen der Menschen auf Jahre hinaus belasten. Die politischen Entscheidungsträger haben die Chance ihres Lebens, wirklich nachhaltige Erholungspläne umzusetzen, die die Wirtschaft wieder in Schwung bringen, Investitionen in die von kleinen und mittelgroßen Unternehmen dringend benötigten digitalen Upgrades, in grüne Infrastruktur, Transport und Wohnungsbau zu generieren, um eine bessere und grünere Wirtschaft in Fahrt zu bringen”, so Boone.Insbesondere für Unternehmen im Dienstleistungsbereich, die während der Krise häufig schließen mussten – darunter solche in der Verkehrs-, Unterhaltungs- und Freizeitindustrie –, steigt das Risiko einer Insolvenz und damit das Risiko weiterer Arbeitsplatzverluste.

Mit der Arbeitslosigkeit steigt wiederum das Armutsrisiko für Millionen informelle Arbeitnehmer, insbesondere in Schwellenländern.Das schnelle politische Handeln vieler Länder, um negative Folgen für Einkommen und Arbeitsplätze abzufedern, habe einen noch größeren wirtschaftlichen Rückgang verhindert. Entscheidend sei dem Bericht zufolge, dass die Regierungen nicht den Fehler vergangener Rezessionen wiederholen, sondern in der gegenwärtigen Phase der Erholung und in 2021 weiterhin fiskalische, finanzielle und andere Hilfen einsetzen.

Diese Maßnahmen sollten möglichst zielgerichtet gestaltet werden, aber flexibel genug bleiben, um sie an neue Bedingungen anzupassen.Die Vergabe staatlicher Hilfen sollte außerdem zunehmend von umfassenderen wirtschaftlichen und ökologischen Zielsetzungen geleitet werden. Die Hilfen sollten gezielter dorthin gehen, wo sie am meisten benötigt werden, damit sich insbesondere die Aussichten für Arbeitslose, Geringqualifizierte und junge Menschen verbessern.

Dabei gilt es, die Balance zu halten zwischen Soforthilfen zur konjunkturellen Wiederbelebung und gleichzeitigen Anreizen für Arbeitskräfte und Unternehmen stark betroffener Sektoren, sich gegebenenfalls auch umzuorientieren. Auch sollten die Maßnahmen auf diejenigen Unternehmen zielen, die gute Aussicht haben, auch nach Auslaufen der Hilfen zu überleben, sowie von Fremdfinanzierung auf Eigenkapitalfinanzierung übergehen, um ihnen zu helfen, in Digitalisierung und die Produkte und Dienstleistungen zu investieren, die unsere Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten benötigt. Weit stärker als bisher sollten die Regierungen den Klimawandel politisch in Angriff nehmen, insbesondere indem sie Hilfen von stärkeren Investitionen in grüne Energie, Infrastruktur, Transport und Wohnungsbau abhängig machen.Gleichzeitig müssen Investitionen in Gesundheitspersonal und Gesundheitsstrukturen weiterhin Priorität haben.

Das gilt auch für die weltweite Kooperation, denn es braucht nicht nur mehr finanzielle Mittel, sondern auch mehr multilaterale Abstimmung, damit Impfstoffe und Medikamente schnell und erschwinglich alle Länder erreichen können."Der Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt seien die nächsten Krisen, die vor der Tür stehen, und uns läuft die Zeit davon, sie anzugehen", sagte er. "Maßnahmen, die eine grüne wirtschaftliche Erholung unterstützen, seien eine Win-Win-Option, da sie dem Umweltschutz helfen, die Wirtschaftstätigkeit ankurbeln und die Lebensqualität für alle verbessern können", so Gurría.Weitere Infos zum Thema Politik in der Coronakrise finden Sie auf unserer Corona-Sonderseite.

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