Logo newsbot.ch

Wissenschaft

Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern

  • Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern
    Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern (Bild: Schweizer Nationalfonds)
  • Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern
    Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern (Bild: Schweizer Nationalfonds)
  • Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern
    Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern (Bild: Schweizer Nationalfonds)
  • Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern
    Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern (Bild: Schweizer Nationalfonds)
  • Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern
    Dem Blick folgen – Die Handprothese verbessern (Bild: Schweizer Nationalfonds)
2020-02-12 23:55:01
newsbot by content-proivder.ch GmbH
Quelle: Schweizer Nationalfonds

Bisher können Handprothesen nur bestimmte Funktionen einer amputierten Hand ersetzen, wie der Schweizer Nationalfonds schildert.

Dieses Spektrum lasse sich jedoch erweitern, wenn die elektrischen Signale der Unterarmmuskulatur mit anderen Informationen verknüpft werden, wie etwa der Blickverfolgung. Dank einer vom SNF geförderten Studie stehen den Fachleuten nun umfangreiche Daten zur Verfügung.Die Hand sei ein elementarer Körperteil.

Mit ihren 34 Muskeln und 20 Gelenken könne sie höchst präzise und komplexe Bewegungen ausführen, die es den Menschen ermöglichen, mit ihrer Umgebung und anderen zu interagieren. Kein Wunder also, dass eine Handamputation enorme physische und psychische Auswirkungen hat.

Mit Handprothesen, die über Hautelektroden elektrische Muskelsignale registrieren - sogenannte myoelektrische Prothesen - können Menschen, die eine Hand verloren haben, bestimmte Funktionen zurückgewinnen. Allerdings sei die Geschicklichkeit dabei oft eingeschränkt, und die Zuverlässigkeit hängt von der jeweiligen Signalstärke in der Unterarmmuskulatur ab.

Um die Prothesen zu verbessern, könne man die Daten der myoelektrischen Signale mit Daten aus anderen Informationsquellen verknüpfen. Diesen Ansatz verfolgt Henning Müller, Professor für Wirtschaftsinformatik, dank dessen Arbeit eine frei zugängliche Forschungsdatenbank entstanden ist, die insbesondere die Augenbewegungen verfolgt und das maschinelle Sehen integriert.

Die Ergebnisse seiner vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Forschung wurden kürzlich in der Zeitschrift Nature Scientific Data (*) veröffentlicht. "Unsere Augen seien in ständiger Bewegung.

Wollen wir aber nach einem Gegenstand greifen, fixieren wir diesen für die Dauer einiger hundert Millisekunden. Die Blickverfolgung liefert daher wertvolle Informationen über die Wahrnehmung eines Gegenstands, nach dem eine Person greift und über die dazu nötige Bewegung," erklärt Henning Müller, Professor an der HES-SO in Siders und Titularprofessor der medizinischen Fakultät der Universität Genf.

Ausserdem bleibt das Sehen intakt, im Gegensatz zu den Muskeln der amputierten Extremität, die verkümmern und das myoelektrische Signal ändern. In Kombination mit der Blickverfolgung könne auch das maschinelle Sehen – die computergesteuerte Erkennung von Gegenständen im Sichtfeld – für die Teilautomatisierung von Handprothesen genutzt werden.Die typischen Bewegungen einer Hand sollten den Daten zugeordnet werden, die von den Muskeln des amputierten Unterarms und von den zusätzlichen Informationsquellen geliefert werden.

Deswegen habe der Wissenschaftler einen Versuchsaufbau mit 45 Personen entwickelt: 15 Menschen mit amputierter Hand und eine Kontrollgruppe von 30 Personen mit ansonsten ähnlichen Merkmalen. Bei allen Teilnehmenden wurden 12 Elektroden am Unterarm sowie Sensoren an Arm und Kopf befestigt.

Sie trugen zudem Spezialbrillen, die ihre Augenbewegungen registrierten. Die Testpersonen führten zehn typische Handbewegungen aus.

Diese und die dabei verwendeten Gegenstände waren zuvor gemeinsam mit dem Institut für Physiotherapie der HES-SO Valais-Wallis ausgewählt worden: So mussten die Probanden etwa einen Stift oder eine Gabel in die Hand nehmen oder mit einem Ball spielen. Mithilfe der Computermodellierung dieser Bewegungen konnte Henning Müller eine neue, multimodale Datenbank für Handbewegungen erstellen.

Sie beinhaltet nicht nur die von den Elektroden erfassten Daten, sondern auch Informationen über die Bewegungsgeschwindigkeit des Unterarms, die Augenbewegungen, das maschinelle Sehen und die Kopfbewegungen.Die interdisziplinäre Studie der HES-SO, des Universitätsspitals Zürich und des italienischen Instituts für Technologie in Mailand, wurde im Rahmen des Sinergia-Programms durchgeführt. "Die umfangreiche Arbeit basiert auf Daten, die über zwei Jahre hinweg erhoben wurden.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass wir über die Universität von Padua Kontakt zu Personen mit amputierten Händen erhielten. In der Schweiz sei es schwierig, eine grössere Zahl von Freiwilligen für solche Tests zu finden.

Die meisten Datenbanken beruhen daher auf Tests mit nur drei oder vier Personen," so der Wissenschaftler. Ein weiterer Vorteil der neuen Datenbank liegt darin, dass die Gruppe der amputierten Personen und die Kontrollgruppe im Gegensatz zu den meisten vorangegangenen Studien vergleichbar waren.

Die Daten können deshalb auch zu einem besseren Verständnis der Folgen einer Amputation beitragen.Bei der Fertigung von intelligenten myoelektrischen Handprothesen eröffnen sich ganz neue Perspektiven: "Dank der Integration der Daten, die uns die Blickverfolgung liefert, können effizientere Prothesen hergestellt werden, die den betroffenen Personen mehr Komfort und grössere Autonomie ermöglichen", sagt Henning Müller. Die Erkenntnisse aus der Studie seien für alle frei zugänglich.

Mehr als tausend Forschungsgruppen weltweit haben bereits auf ältere Versionen der Datenbank zugegriffen, die im Rahmen früherer Projekte entstanden waren.Sinergia fördert die Zusammenarbeit von zwei bis vier Forschungsgruppen, die interdisziplinär und mit Aussicht auf bahnbrechende Erkenntnisse forschen. Wildhainweg 3PostfachCH-3001 BernTel.

+41 31 308 22 22.

Suche nach Stichworten:

alle Blick Handprothese verbessern