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Inland

Festrede «150 Jahre Erstbesteigung Matterhorn durch eine Frau»

2021-07-22 17:15:22
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Quelle: Generalsekretariat VBS

Bern, 22.07.2021 - Festrede von Bundesrätin Viola Amherd, Chefin des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), anlässlich des 150-Jahre-Jubiläums der Erstbesteigung des Matterhorns durch eine Frau, Zermatt, Donnerstag, 22. Juli, wie das Generalsekretariat VBS ausführt.

Jedes Mal fasziniert mich der Anblick des Matterhorns aufs Neue. Seine Form sei einzigartig und beeindruckend.Z’Horu zog und zieht Bergsteigerinnen und Bergsteiger aus allen Ländern an.

Einmal oben zu stehen, den Aufstieg geschafft zu haben und dann auch heil wieder unten anzukommen, müssen unvergessliche Momente sein!Ärzte und sogenannte Fachleute behaupteten zum Beispiel, der «zarte weibliche Körper» werde hässlich und unästhetisch. Bergsteigerinnen wurden als «Mannweib», «wildes Bergweib» und «ungepflegte Zottelhexe mit nachlässiger Gewandung» beschrieben.Auch der Frauensport galt vor rund 100 Jahren als unsittlich und verpönt.

Und die Argumente gegen die Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen vor 50 Jahren: Frauen, die politisieren, verlieren ihre Weiblichkeit oder, Politik sei zu schmutzig für die Frau. Sie könne ihre Meinung indirekt über ihren Mann einbringen… Frage: Was macht der Mann dann mit seiner Meinung?Bergsteigerinnen, Sportlerinnen und Politikerinnen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich durchgesetzt.

Sie erbringen grossartige Leistungen und übernehmen Verantwortung.Wie sagt es doch Julie Deane, Gründerin und CEO der Cambridge Satchel Company: «Es sei gut zu wissen, dass Du eigentlich alles machen kannst. Du musst nur damit anfangen.»Lucy Walker habe angefangen.

Sie litt an Rheuma und konnte kaum gehen. Lucy Walker war, gemäss einem Bericht im Deutschlandfunk, 22 Jahre alt, als sie erstmals Vater und Bruder in die Alpen begleitete.

Zuerst wanderte sie, während die Männer auf die Berge stiegen. Vom Ehrgeiz gepackt, begann sie ebenfalls zu klettern und war nicht mehr zu bremsen.In seinem Buch «Auf den Spuren grosser Alpinisten» schreibt Ed Douglas: «Sie unternahm 98 Expeditionen, nur drei misslangen.

Oft war sie die erste Frau auf dem Gipfel. Sie schaffte die Erstbesteigung des Balmhorns und die vierte des Eigers, Letztere mithilfe von Champagner und Biskuittorte gegen ihre chronische Höhenkrankheit.»In streng viktorianischer Garderobe bestieg sie vor 150 Jahren das Matterhorn.

Sie trug dabei einen bodenlangen Rock, da das Tragen von Hosen den Frauen verboten war. In Begleitung fremder Männer, der Bergführer, gefährliche Gipfel zu erklimmen, geziemte sich nicht für eine Frau.

Lucy Walker katapultierte sich ins gesellschaftliche Abseits.Es sei deshalb kein Zufall, dass es weder von Lucy Walker noch von anderen frühen Bergsteigerinnen eigene Tourenberichte gibt. Ich freue mich, dass Zermatt die Matterhorn-Erstbesteigung durch eine Frau gebührend feiert.

Lucy Walker und ihre Kolleginnen haben damals Grossartiges geleistet und verdienen unseren Respekt. Sie haben sich nicht von gesellschaftlichen Konventionen abhalten lassen.

Sie gingen mutig ihren Weg – ganz nach einem Zitat von Ella Fitzgerald: «Lass dich nicht davon abbringen, was du unbedingt tun willst. Wenn Liebe und Inspiration vorhanden sind, könne nichts schiefgehen.»Ich finde es grossartig, dass das Matterhorn Museum die Erstbesteigung durch Lucy Walker und das 50-jährige Jubiläum des Frauenstimm- und Wahlrechts in der Schweiz aufnimmt und sich mit der Rolle der Frauen in der Zermatter Geschichte und Gegenwart befasst.

Vieles habe sich in den vergangenen 150 beziehungsweise 50 Jahren verändert. Seit 1971 wurde auch in der Gleichstellungspolitik und bei der Frauenvertretung in politischen Ämtern einiges erreicht.

Der Frauenanteil im Nationalrat beträgt nach den Wahlen 2019 42 Prozent und im Ständerat 26.1 Prozent. Gemeindepräsidentinnen, Gemeinderätinnen und Grossrätinnen seien keine Seltenheit mehr.

Zermatt sei ein gutes Beispiel: Vier Frauen im siebenköpfigen Gemeinderat: Gemeindepräsidentin, Vizepräsidentin und zwei Gemeinderätinnen. Dazu haben Sie eine Grossrätin und eine Suppleantin!In Zermatt gibt es auch dafür zahlreiche Beispiele: Was wären Hotels, Geschäfte und Bauernbetriebe ohne das Engagement der Frauen.

Sie führen seit Jahren erfolgreich Betriebe, zusammen mit ihren Partnern. .

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