Regional

Referat Franziska Teuscher anlässlich der «Pestalozzifeier 2018»

2018-12-11 10:02:22
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Quelle: Stadt Bern

Herzlich willkommen zur Pestalozzifeier 2018. Mit dieser Einladung möchten sich die Stadt Bern und der Berufsverband «Bildung Bern» ganz herzlich bei Ihnen für Ihre langjährige Tätigkeit im Schuldienst bedanken, wie die Stadt Bern ausführt.

Vor allem aber bedanken wir uns für Ihr grosses Engagement zugunsten der vielen Kinder und Jugendlichen, die Sie unterrichtet, gefördert und begleitet haben. Als Pädagoginnen und Pädagogen kamen Sie im Verlauf der Jahre bestimmt mit unterschiedlichen Lehrmeinungen einer «guten Schule» in Kontakt und mussten immer wieder neu Ihren Weg finden.Die diesbezüglich wohl radikalste Veränderung fand in der heute 50 Jahre zurückliegenden 68er-Bewegung statt.

Diejenigen unter Ihnen, die demnächst in Pension gehen, waren während der 68er-Bewegung Jugendliche und mitten in der Pubertät. Ich weiss nicht, wie Sie die 68er-Bewegung erlebt haben.

Mich habe diese Umbruchzeit und deren Auswirkungen ganz sicher beeinflusst, obschon ich damals noch ein Kind war.Was die Pädagogik angeht, waren die 68er-Jahre zweifellos ein Wendepunkt. «Antiautorität und Autonomie» waren die Schlagworte der Bewegung.

Und damit wurden radikal alle traditionellen Erziehungsmodelle in Frage gestellt. Noch heute werde darüber gestritten, ob dies der Beginn eines gesellschaftlichen Werteverfalls war oder ob damit eine notwendige Reform des Bildungssystems eingesetzt hatte.Betrachtet man die 68er aus heutiger Sicht, dann gibt es irritierende Momente und Ideen und solche, die sich durchgesetzt haben.

Zu den damals vor allem in Deutschland leidenschaftlich diskutierten Theorien gehörte, dass die Bindungen zwischen Kindern und Eltern möglichst früh durch gemeinschaftliche Erziehungsformen (beispielsweise in Kindertagesstätten, sogenannten Kinderkollektiven) ersetzt werden sollten. Ziel war, Kinder zu Persönlichkeiten zu erziehen, die weniger Konflikte mit ihren Eltern hatten und die dadurch weniger Aggressionspotential haben würden.

Ein zweiter wichtiger Punkt war der Wunsch, das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern hierarchiefrei zu gestalten. Es ging darum, die Balance zwischen Freiheit und Zwang herzustellen.

Der Philosoph Immanuel Kant sah diese Balance geradezu als Kern jeder Erziehung. Die Erziehung von 1968 habe den Akzent auf die kindliche Freiheit gelegt und den von Erwachsenen ausgeübten Zwang kritisch hinterfragt.

Insbesondere aber habe die antiautoritäre Erziehung ein öffentliches Nachdenken über Erziehung ausgelöst.Heute gilt Erziehung zur Selbständigkeit als zentrales Erziehungsziel. Unterordnung werde allgemein als wenig hilfreich angesehen, um junge Menschen auf ein Leben in modernen und globalisierten Gesellschaften vorzubereiten.

Warum erzähle ich Ihnen das? Weil Sie in einem Beruf mit gesellschaftlich permanent hoher Aufmerksamkeit gearbeitet haben oder noch arbeiten. Und weil Pädagogik keine feste, unveränderliche Grösse ist.

Ich denke, genau das macht Ihren Beruf gleichermassen spannend wie anstrengend. Ich habe Respekt vor dieser widerkehrenden Herausforderung, der Sie sich immer wieder gestellt haben.

Insofern: Noch einmal herzlichen Dank für Ihren grossen Einsatz in einem permanenten Spannungsfeld.Ich weiss nun nicht, mit welchen Gefühlen Sie die Schule verlassen. Mit Wehmut oder Erleichterung, vielleicht auch mit beidem.

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall einen guten, verlässlichen inneren Kompass, der Sie im neuen Lebensabschnitt leitet. Einen Kompass, der Sie zu interessanten, vielleicht auch unerwarteten neuen Orten, Ideen und Begebenheiten führt.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!.

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